Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Wochenlese 10. Juni – 16. Juni 2013

Winterling-CaligulaAloys Winterling
Caligula – Eine Biografie

Dieses Werk des Professors an der Berliner Humbold-Universität über den römischen Kaiser Caligula ist unter Historikern nicht unumstritten, unternimmt es doch den Versuch, diesen für den Cäsarenwahn paradigmatisch stehenden Kaiser als einen durchaus zynischen, aber geistig gesunden Staatsmann zu rehabilitieren.  Auch seine klassischen Aussetzer sind für Winterling nur Auswüchse seines Kampfes gegen den Senat und die Armee um die Macht im Staate Rom.
Für wen die Verfilmung von Ranke Graves‘ lesenswertem Roman „
Ich, Claudius, Kaiser und Gott“ der Einstieg in die römische Geschichte war und den jungen John Hurt als Caligula im Hinterkopf hat, tut sich mit dieser durchaus glaubhaft vorgetragenen und auch für historische Laien gut lesbaren These allerdings recht schwer.
Ich warte auf die Rehabilitation von Nero.

Beck, 2012
(E-Book-Ausgabe)

buch

Die Empfehlung der Woche:

BrochHermann Broch
Die Schlafwandler (Trilogie)

Verbeugung vor einem fast Vergessenen: Obwohl den 1951 im amerikanischen Exil verstorbenen österreichischen Autor kaum mehr einer kennt oder liest, wird er doch von Kennern (z. B. von Thomas Bernhard, der sonst kein gutes Haar an anderen Schriftstellern lässt) in einem Atemzug mit den Autoren genannt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Literatur die Moderne erschlossen: Proust, Joyce, Musil, Dos Passos.
Brochs drei Schlafwandler-Romane (
Pasenow, Esch und Huguenau), die es von Suhrkamp in einer billigen Taschenbuchgesamtausgabe gibt, aber auch seine Dichtung Tod des Vergil, womit wir wieder bei den Cäsaren sind, sollte jeder gelesen haben, der sich nur ein wenig für Literatur interessiert.
Absolute Leseempfehlung!

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