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Der Freitagsaufreger (III): Meine eigene Dummheit

 Meine eigene Dummheit.

Sie ist manchmal grenzenlos. Ich brauche nicht viele Beweise um meine These zu verifizieren, denn ich möchte heute für diesen Artikel nicht die Proust-Medaille für ausschweifendes Erzählen. Fremdschämen und Schadenfreude sind nur als Fast-Food bekömmlich. Außerdem ist mir das alles wirklich peinlich und ich will niemanden mit sattsam Bekanntem belästigen – denn jeder kennt die Dummheit aus eigener Anschauung.

Ich folge hier einem Themenvorschlag von Frau Klammerle, ich solle doch mal über meine geistigen Unzulänglichkeiten schreiben.

Nehmen wir daher nur einmal die letzten Tage. Vorgestern entschloss ich mich unter konsequenter Umgehung des Gehirns spontan, alle Regeln des örtlichen GUV zu missachten und schnell mal mit der Standbohrmaschine ein Loch in einen Metallstreifen zu bohren, ohne diesen im Maschinenschraubstock vorher gesichert zu haben – tausendmal gemacht: Nie ist etwas passiert. Selbstverständlich wurde mir das Metall aus der Hand gerissen, rotierte mit 1650 rpm wie ein Hubschrauberrotor um den Bohrer. Seither kann ich nur noch mit den Fingern der rechten Hand tippen, da von den linken ein paar entscheidende Teile weggesäbelt wurden (Ich verzichte auf eine Illustration).

Gestern Vormittag nun ging ich frohgemut aus dem Haus – Pflaster kaufen und in die Arbeit fahren – und zog die Tür hinter mir zu. Sie ahnen es schon: Ich hatte mich selbst ausgesperrt. Der Sohn war in der mündlichen Prüfung, die Frau in der Arbeit, ein Handy besitze aus Prinzip nicht und ein dringender Termin wartete unduldsam. Deshalb bin ich bei mir selbst eingebrochen. Ich versuchte es zumindest. Die Zahl der Einbruchsdiebstähle ist in Deutschland in den letzten Jahren stark angestiegen, 140.000 Brüche im Jahr, aber wann ist schon ein Einbrecher in der Nähe, wenn man mal einen braucht?

Nach einer schweißtreibenden Weile (ja, der Sommer ist zurückgekehrt) gelang es mir, das Blech am alten Briefkastenschlitz mit Hilfe eines Besenstiels ein stückweit wegzubiegen, damit ich durch dessen Öffnung nach innen langen konnte. Was erzähle ich noch: Der Schlitz war zu klein, die Finger steckten fest – natürlich (ja, natürlich) die der linken Hand, deren Wunden wieder aufplatzten und in die Wohnung bluteten. Inzwischen standen auch schon zwei besorgte Nachbarn parat und hatten gute Ratschläge; in meiner Wohngegend macht man nie etwas unbeaufsichtigt. Deshalb wird hier auch wahrscheinlich selten eingebrochen.

Auch die Nachbarin von Nebenan öffnete die Tür, beunruhigt wegen des Lärms bei mir. Als ich ihr meine Lage schilderte, fragte sie erstaunt, warum ich nicht meinen Hausschlüssel benutzen wolle, den ihr Frau Klammerle für solche Fälle zum Aufbewahren überreicht hatte.

Genug!

Unsere alte, hässliche Alu-Türe, die winters innen eine Eisschicht bildet und sich im Sommer so verzieht, dass man sie aufstemmen muss, schließt nach meinem dilettantischen Heist-Movie noch immer hervorragend, aber sie ist leicht lädiert und ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, sie demnächst durch eine neue Tür zu ersetzen; am besten gleich eine mit Katzenklappe, damit Amy ihr halblebendiges Spielzeug mit in die Wohnung nehmen kann.

Dabei ist mir aber die Idee zu einer neuen Kunstrichtung gekommen:

DOOR-ART!

Man braucht außer dem Medium (der Tür) nur noch einen stabilen Besenstiel, eine vom Nachbarn entliehene Kombizange und eine angstfreie, schmerzresistente Künstlerseele und kann interessante Kunstwerke mit einer Botschaft gestalten (paint it bloody red, Türen, die trennen, ein- und ausgrenzen, Knockin‘ on klammers door, die Grenzen überwinden, das Nord-Süd-Gefälle, der Mann als Irrtum der Natur, doorway to heaven usw., usf. Mir schwirrt der Kopf vor Ideen!) – und das Ganze an der eigenen Haustüre. DOOR-ART! Die Kunst kehrt heim.

doorart

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7 Gedanken zu „Der Freitagsaufreger (III): Meine eigene Dummheit

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  6. Hohes Alter? Aber HD, so alt bist du doch noch nicht! Da rumort wohl eher dein Rothschild von gestern. Die Stones sind schließlich auch noch rüstig und auf Welttournee… Und was haben Mick und Keith, was du nicht hast? Ich meine, außer Geld?
    Mach‘ lieber bei meiner DOOR-ART © ® ™ mit. Ich habe mir inzwischen die Rechte gesichert. Wir werden den Kunstmarkt revolutionieren! Millionen verdienen! Light my fire!

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  7. Hans-Dieter Heun sagte am :

    Ist es schon das hohe Alter, das sich nun voller Wucht bemerkbar macht? Natürlich, ja natürlich …

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