Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Wochenlese 20. Mai – 26. Mai 2013

Weil ich ein paar Tage Urlaub machte, habe ich wenig gelesen. Heute Mittag bin ich in Meran bei 23° und Sonnenschein losgefahren und kam bei 6° und stürmischem Regen daheim an. Aus diesem Grund eine Empfehlung, die zu diesem „Jahr ohne Sommer“ passt:

strugatzki
Arkadi & Boris Strugatzki
Die hässlichen Schwäne

Auch wenn Suhrkamp dieses Buch als vollständige Erzählung in seiner Phantastik-Reihe veröffentlicht hat, ist es nur ein Teil des Romans „Das lahme Schicksal“ (die Victor Banev-Kapitel), kann aber in der Tat alleine gelesen werden.

Das Buch spielt in einem diktatorischen Land, in dem es seit Jahrzehnten ununterbrochen regnet und in dem die ersten evolutionär Angepassten mit Schwimmhäuten und imprägnierter Haut geboren und als Kranke interniert werden. Die Beschreibung einer langsam verschimmelnden Kultur, die allein am schlechten Wetter zugrunde geht, ist genial.

Es ist übrigens ein Verdienst des Heyne-Verlags, dass er gerade die gesammelten Werke der beiden inzwischen verstorbenen Autoren editiert. Von den Russen stammt übrigens auch „Picknick am Wegesrand“, das Tarkowski und selbstverständlich auch ein paar Computerspieldesigner zu „Stalker“ inspirierte.

Suhrkamp 1995
(Mir fällt gerade auf: Ich habe keine Ahnung, wo mein Exemplar ist; ich habe es wohl entliehen und nie wiederbekommen!)

buch

…und weil – ich habe es schon erwähnt -, in dieser Woche mein Lieblingsautor Geburtstag hatte:

balzac

Honoré Balzac

Das Chagrinleder

Goethe wurde das ‚von‘ in Weimar verliehen, Schiller musste dafür 450 Gulden bezahlen: Der Adelstitel. Balzac machte es sich da einfacher. Er hat sich das ‚de‘ selbst geschenkt, heiratete aber später zur Sicherheit noch die polnische Gräfin Hanska (die nach seinem Tod übrigens ein paar seiner Romane zuende schrieb, bzw. schreiben ließ).

Einer seiner ersten Bestseller war ein phantastischer Roman „Die tödlichen Wünsche oder Das Chagrinleder“ – es handelt sich um ein Leder aus Eselshaut, das Wünsche erfüllen kann und dabei immer mehr schrumpft. Wenn es verschwunden ist, stirbt sein Besitzer. Goethe notierte in sein Tagebuch: Ein „vortreffliches Werk neuster Art“ und das „Produkt eines ganz vorzüglichen Geistes“ – das ist deshalb erstaunlich, weil Balzac mit dem Chagrinleder eigentlich eine Variation des Fauststoffs geschaffen hat.

Balzac selbst inspirierte mit seinem Werk so unterschiedliche Autoren wie Oscar Wilde (Dorian Gray) oder Paul Maar (Das Sams). Eine revolutionäre Neuerung im Chagrinleder war übrigens auch, dass der Name der Hauptfigur – Raphäel – erst spät im Buch und dann nur nebenbei in einer Anrede auftaucht. Das ‚Buch ohne Helden‘ ist geboren…

(Bei mobileread.com als Ebook.)

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