Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Das Katzenrätsel

Ich darf vorstellen:

Amy1Dieser extrem schwer zu fotografierende schwarz-weiße Fellball ist meine Katze ‚Amy‘. Wie bei vielen Beziehungen meines Lebens habe nicht ich mich für Amy entschieden, sondern sie sich für mich – irgendwann im Winter vor zwei Jahren stand sie vor meiner Terrassentür und ist seitdem geblieben (Ihrem Vorbesitzer, dem sie auch ihren Namen verdankt, hat das nicht sehr gefallen).

Ich will ein andermal auf die komplizierten Lebensgemeinschaften von Autoren und ihren Katzen eingehen – tatsächlich haben überdurchschnittlich viele Schriftsteller diese eigenwilligen Samtpfoten in Untermiete. Mich interessiert gerade ein anderes Phänomen, dem ich einfach nicht auf die Schliche komme.

Amy hat einen beachtlichen Freiheitsdrang. Wenn Sie nicht bei mir ruht (zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag – am liebsten auf meinem Bürostuhl oder im Bett von Frau Klammerle), dann streunert sie durch die Gärten und Ställe der Nachbarn und schleppt allerlei kleine tote Dinge an.

Heute nacht nun erwischte sie ein überraschendes und heftiges Gewitter. In der Folge kratzte eine nasse und frierende Katze an meiner Balkontür im ersten Stock. Obwohl Amy nachts immer diesen Weg in die Wohnung sucht, weiß ich bis heute nicht, wie es ihr gelingt, auf diesen Balkon zu klettern. Ich habe sie noch nie dabei beobachet.

Ich erbarmte mich also und rubbelte die Katze mit dem Handtuch, auf dem sie auf dem Foto im Bett meiner Frau liegt, trocken. Dabei fiel es mir wieder auf: Katzen riechen nicht. Wenn ich da an nasse Hunde denke oder auch an große, trockene und sabbernde Bernhardiner, an Hausgetier, Geflügel, Kühe, Schweine gar, deren Geruch noch nach Jahren in den Ställen hängt, an Kaninchen, Mäuse und sogar Fische im Aquarium – alle riechen, viele stinken. Der Zoo – besonders auch die Groß- und Wildkatzen – alles müffelt streng. Wir leben in einer Welt der Gerüche, in der der Duft einer Madeleine einen Roman von 5000 Seiten auslösen kann. Und der Mensch selbst? Morgens vor dem Aufstehen? Beweisführung beendet.

Warum also eine gewöhnliche Hauskatze nicht? Sie selbst ist vollkommen ohne Geruch (Was man leider vom Katzenklo nicht sagen kann). Oh, Amy liebt Düfte, an Pflanzen und Blumen schnuppern ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Im Winter bringt sie an besonderen Tagen mit ihrem Fell etwas Kälte und Schneegeruch ins Haus, jetzt, im Sommer dünstet sie manchmal etwas Sonne aus – das ist aber auch schon alles.

Gibt es da draußen einen Biologen, der mir das erklären kann? Mein Sohn Simon, ein angehender Mikro-Biologe, hat auf meine Fragen nur mitleidig mit den Achseln gezuckt und etwas von „Anpassung“ und „Evolution“ gemurmelt, zwei Wörter, die immer passen.

Aber vielleicht muss es Fragen geben, auf die es keine Antwort gibt. Amy jedenfalls – so habe ich den Eindruck – lächelt manchmal wissend im Schlaf.

Ach, ja: Amy hört auch gern Musik: http://bandcamp.com/haraldkrodel

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8 Gedanken zu „Das Katzenrätsel

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  6. Das habe ich mir schon so ähnlich gedacht. Auch wenn ich noch nie etwas von Eubacterias gehört habe, bin ich davon ausgegangen, dass es vielleicht an meinem mangelden Riechvermögen liegt, den Geruch meiner Katze wahrzunehmen. Schließlich reibt sie ja ständig ihren Körper an Dingen und Menschen, was diese offenbar als ihr Revier oder Eigentum markiert.
    Vielleicht ist es aber auch so, dass die Binsenweisheit auch für Katzen gilt: Was man mag, kann man riechen.
    Auf jeden Fall danke ich dir für deinen Kommentar.

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  8. Simon sagte am :

    Scheinbar ein Phänomen von dem nicht alle Katzen betroffen sind (http://voices.yahoo.com/why-does-cat-smell-bad-7718330.html). Allgemein bleibt nur zu sagen, dass wahrnehmbarer/ unangenehmer Geruch eng mit der Körperflora (wichtig hier die Eubacteria) zusammenhängt (auch beim Mensch), die wiederum eine Anpassung an den ganz individuellen Lebensstil ist (und sich binnen weniger Tage auch schon mal komplett verändern kann). Womit aber die spannende Frage bleibt: Was treibt Amy den ganzen Tag, wodurch Bakterien die üblen Gestank verursachen, sich nicht auf ihr ansiedeln (bzw. einen alternierten Stoffwechsel mit anderen Neben/Endprodukten betreiben lässt)?
    Immer mit der Prämisse, dass nur das vom Menschen (der ja bekanntermaßen nur einen sehr mäßigen Riecher hat) wahrnehmbare Spektrum nicht stinkt (die Feldmaus und Amsel sieht das vermutlich völlig anders).
    LG,
    Simon 🙂 (das lass ich so doch nicht auf mir sitzen)

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